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2011: Oft sind es die kleinen Dinge, die Kunden besonders schätzen

Die Kreuzlinger Bodan AG feiert im laufenden Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum. Sie blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die seit dem Jahr 1965 durch die Familie Ruckstuhl geprägt wird.


«Den engen Kontakt zu den Kundinnen und Kunden» betrachten Claudia und Urban Ruckstuhl als wichtiges Geheimnis des Erfolges des Familienunternehmens. Die beiden Geschwister führen das Unternehmen gemeinsam, seit sich Vater Paul Ruckstuhl aus der Geschäftsführung zurückgezogen hat. Die Herstellung hochwertiger Drucksachen wie Broschüren, Kataloge und Bücher bildet das Kerngeschäft.


Die Bodan AG bewegt sich zurzeit mit der gesamten grafischen Industrie in einem schwierigen Umfeld mit starkem Margendruck. Die Euroschwäche erschwert die Lage zusätzlich. Deutsche und österreichische Anbieter drängen vermehrt auf den Schweizer Markt. «Wir haben gelernt, mit der Situation umzugehen», sagt Urban Ruckstuhl. Mit verschiedenen Massnahmen gibt die Geschäftsleitung Gegensteuer. An erster Stelle nennt Claudia Ruckstuhl den engen Kontakt mit der «sehr treuen Kundschaft». «Oft sind es die kleinen Dinge, die von Kunden besonders geschätzt werden», betont sie.

Zu den Prinzipien der Familie Ruckstuhl gehört es, stets in neue Technologien zu investieren und damit auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Dies erleichtert eine hohe Effizienz in der Herstellung und sorgt für attraktive Arbeitsplätze. Das Unternehmen kann auf langjährige und erfahrene Mitarbeitende zählen. Flache Hierarchien sind eine weitere Stärke. «Unsere Bürotüren sind stets offen», umschreiben Claudia und Urban Ruckstuhl die familiäre Atmosphäre. Die Bodan AG engagiert sich ab diesem Jahr freiwillig im Klimaschutz und hat sich für das klimaneutrale Drucken entschieden. Der Startschuss betriebsintern fiel im März und auf Ende des Jahres kann der Kunde die Kompensation der Emission über anerkannte Klimaschutzprojekte abgelten.

Im Jahre 1911 gegründet
Die Firma Bodan in Kreuzlingen wurde im Jahre 1911 in der Form einer Genossenschaft gegründet. Sie war zunächst in den Bereichen Buchbinderei und Kartonage tätig. Bereits im Jahre 1913 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen zog im gleichen Jahr in die Liegenschaft an der Hauptstrasse 54 in Kreuzlingen ein, die im Jahre 1956 erworben und später abgebrochen wurde.

Im Jahre 1965 erwarb Paul Ruckstuhl die Bodan AG und übernahm die operative Geschäftsführung. Es folgte eine Zeit von bedeutenden Veränderungen. Die gesamte Branche wurde von einem grossen technischen Wandel erfasst. Im Druckbereich wurde der Hochdruck durch das Flachdruck-Verfahren verdrängt. Im Bereich der Vorstufe erfolgte der Wechsel vom Bleisatz zur digitalen Text- und Bildbearbeitung. Der Computer verdrängte in der grafischen Industrie den Bleisatz mit einer 200-jährigen Tradition innerhalb eines Vierteljahrhunderts. Mit der technischen Entwicklung wandelten sich auch die Berufsbilder.

Neue Firmendomizile
In den Jahren 1985 und 1986 konnten neue Firmendomizile bezogen werden. Für die Druck- und Verlagsaktivitäten wurde im Jahre 1985 ein Neubau an der Zelgstrasse 1 in Kreuzlingen errichtet. Im Jahre 1986 konnte ein Neubau an bester Geschäftslage an der Hauptstrasse 35 in Kreuzlingen bezogen werden, in dem die Papeterie und die Buchhandlung untergebracht sind. Mit der seinerzeitigen Übernahme der Buchhandlung «Litera etcetera» in Kreuzlingen wurde die Buchhandlung gestärkt. Die fehlende Buchpreisbindung hilft gemäss der Einschätzung von Urban Ruckstuhl den Buchhandlungen. Er lehnt die Wiedereinführung der Buchpreisbindung ab.

Drei eigenständige Firmen
Die Geschwister Ruckstuhl führen heute die Kreuzlinger Bodan AG und die Thurgauer Tagblatt AG in Weinfelden als unabhängige Firmen, die eng zusammenarbeiten. Im Jahre 2005 wurde von Tamedia zusätzlich der Zürcher WerdVerlag übernommen. «Uns haben die guten Produkte überzeugt», nennt Urban Ruckstuhl als Grund für die Übernahme. Für eher lokal orientierte Bücher zeichnet nach wie vor die Bodan AG verantwortlich. So publizierte sie im vergangenen Jahr eine biografische Skizze über den ersten Thurgauer Bundesrat Fridolin Anderwert.

Alle drei Firmen zusammen beschäftigen rund 65 Personen, bei der Bodan AG sind es rund 40. Die Ruckstuhl-Firmen engagieren sich stark in der Lehrlingsausbildung. Aktuell werden nicht weniger als elf Lernende ausgebildet. Ihr Jubiläum will die Bodan AG ohne grosses Brimborium feiern. Anlässlich des im Januar zelebrierten Kundenanlasses «Drucksachen-Kür 2010» wurde das 100-Jahr-Jubiläum würdig eingeläutet. Bereits realisiert wurde eine zusätzliche Logo-Komponente.

Thurgauer Mediengeschichte
Die Bodan AG schrieb als Herausgeberin des «Thurgauer Volksfreundes» im Kanton Thurgau Mediengeschichte. Sie unternahm viel, um die Medienvielfalt im Printbereich zu gewährleisten. So gehörte sie im Jahre 1988 zu den Mitbegründern der Verlag Tagesspiegel AG. Ein attraktiver Mantelteil sollte die kleinen Titel für die Leserinnen und Leser attraktiver machen. Im Jahr 1990 wirkte sie als Eigentümerin bei der Gründung der Thur Druck AG in Frauenfeld mit. Damals wurden die Lokalzeitungen «Thurgauer Volkszeitung», «Bischofszeller Nachrichten» und «Neues Wiler Tagblatt» übernommen.

Eine wichtige Rolle spielte Paul Ruckstuhl bei der Thurgauer Zeitungsfusion im Jahr 2000. Er brachte die Lokalzeitungstitel «Thurgauer Volksfreund», «Thurgauer Volkszeitung» und «Bischofszeller Nachrichten» in die Thurgauer Medien AG ein. Mit diesem Schritt wollte er dazu beitragen, im Kanton Thurgau eine eigenständige Tagespresse langfristig zu sichern. Im Jahre 2004 wurden die Bande mit der Thurgauer Medien AG wieder gelöst. Im Rahmen der Fokussierung auf das eigene Kerngeschäft löste sich die Bodan AG aus dieser Zeitungskooperation. Das Fusionsprodukt Thurgauer Zeitung ging zunächst an Tamedia und gehört mittlerweile zum Tagblatt-Verbund.

Von Peter Maag

2011: Bodan AG mit 100-Jahr-Jubiläum

Claudia und Urban Ruckstuhl gratulieren dem glücklichen Gewinner Leopold Huber.

Die Bodan AG Druckerei und Verlag, Kreuzlingen, blickt mit Freude in die Zukunft. Im Jahr 2011 feiert das Unternehmen seinen 100. Geburtstag. Am alljährlichen Kundenanlass wurden die attraktivsten und besten Kundenprojekte in festlichem Rahmen im Bistro Napoleon auf Schloss Arenenberg prämiert.


„Ein Blick zurück auf Erfolge und Erfreuliches in der Vergangenheit stärkt uns für die Zukunft.“ Dieses Motto soll laut Worten des Geschäftsleitungsmitglieds Urban Ruckstuhl  das Unternehmen ins Jubiläumsjahr begleiten. Das 1911 vorerst als Genossenschaften gegründete, im September 1913 in eine Aktiengesellschaft umgewandetes Unternehmen feiert im Jahr 2011 sein 100-jähriges Jubiläum. Heute beschäftigt die Bodan AG rund 40 Mitarbeitende, wovon zahlreiche Lernende in den Berufen Polygraf, Drucktechnologe, Printmedienverarbeiter, Kaufmännisch, Buchhändler und Detailhandelsangestellte.

Kundenprojekte prämiert

Ihre Verbundenheit mit den Druckkunden demonstriert die Bodan AG im Rahmen einer  jährlich stattfindenden Drucksachen-Kür, die dieses Jahr bereits zum achten Mal und mit einer Rekordbeteiligung von 70 Gästen durchgeführt wurde. Hervorgehoben und prämiert wurden dabei aus einer Verlosung die attraktivsten Druckprodukte in den drei Bereichen Briefschaften/Allgemeines, Flyer/Massenartikel und Broschüren/geheftete Artikel.


Die Jahresend-Kür soll die grosse Vielfalt, die Originalität der Printmedien und den Ideenreichtum hervorheben, erklärt Geschäftsleitungsmitglied Claudia Ruckstuhl. Der Anlass wurde mit einer Besichtigung des Napoleon-Museums begonnen und in festlichem Rahmen im Bistro Louis Napoleon auf Schloss Arenenberg abgeschlossen. Musikalisch umrahmt wurde der Anlass durch zwei sympathische Auftritte der Thurgauer Jodlerspatzen.

 

Bilderbogen vom Fest Endjahres-Kür 2010, Donnerstag, 20. Januar 2011

2010: Nach altem Brauchtum gegautscht

Einem alten Brauchtum der Jünger Gutenbergs folgend, werden die beiden ehemaligen Lernenden Nesfet Selmani und Marcia Wetter gegautscht. Mit Würde amtet Alu Walk als Gautschmeister. Nach alter Überlieferung soll beim Gautschen „zumindest dafür gesorgt werden, dass das Hinterteil gehörig nass wird“, um so die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abzuwaschen. Nach diesem Ritual werden die ehemaligen Lernenden als rechtmässige Schwarzkünstler und Söhne Gutenbergs anerkannt.


Die Bodan AG Druckerei und Verlag, Kreuzlingen, und die Thurgauer Tagblatt AG, Weinfelden, gratulieren ihren beiden Lernenden zum erfolgreichen Abschluss der vierjährigen Lehrzeit.

2010: Bodan AG mit erfreulicher Auslastung

Urban Ruckstuhl von der Druckerei Bodan AG begrüsst rund 60 Gäste zur jährlichen Drucksachen-Kür.

Die Druckerei Bodan AG, Kreuzlingen, blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2009 zurück. Die besten Kundenprojekte wurden in festlichem Rahmen in der Kartause Ittingen prämiert.
Als vor einem Jahr die Rezession einsetzte, machte sich in Wirtschaftskreisen Unsicherheit breit. Auch die Bodan AG blickte dem Geschäftsjahr 2009 vorsichtig, aber zuversichtlich entgegen. Dieses brachte ihnen entgegen dem allgemeinen Trend eine erfreulich gute Auslastung. Zeitweise musste das Personal sogar aufgestockt werden, um die Aufträge zu bewältigen.

«Die Krise fand nicht statt», durfte Geschäftsleitungsmitglied Urban Ruckstuhl rückblickend mit Genugtuung feststellen. Diese positive Entwicklung sei vor allem den zahlreichen treuen Kundinnen und Kunden der Bodan AG zu verdanken. Die grosse Kundentreue sei nicht selbstverständlich. Um ihre Dienstleistungen zu verbessern, investiert die Bodan AG auch laufend in neue Technologien und in rationellere Infrastruktur.

Kundenprojekte prämiert
Ihre Verbundenheit mit den Druckkunden demonstriert die Bodan AG im Rahmen einer  Drucksachen-Kür, die dieses Jahr zum siebten Mal und mit Rekordbeteiligung von rund 60 Gästen ausgerichtet wurde. Hervorgehoben und prämiert wurden dabei aus einer Verlosung die besten Druckprodukte in den drei Bereichen Briefschaften/Allgemeines, Flyer/Massenartikel und Broschüren/geheftete Artikel.
Die Jahresend-Kür soll die grosse Vielfalt, die Originalität der Printmedien und der Ideenreichtum hervorheben, erklärt Geschäftsleitungsmitglied Claudia Ruckstuhl. Der Anlass wurde in festlichem Rahmen in der Kartause Ittingen begangen und schloss einen Rundgang durch die Kartause sowie ein stimmungsvolles Konzert in der Klosterkirche mit ein.

2009: Bilderbogen vom Fest Endjahres-Kür, Donnerstag, 21. Januar 2010

2009: Die Bodan AG Kreuzlingen bietet Zukunft

Blicken nach der Lehrzeit bei der Bodan AG Kreuzlingen zuversichtlich in die Zukunft: Selina Wildhaber und Cinzia Aeberhard.

Cinzia Aeberhard, Polygrafin, und Selina Wildhaber, Detailhandelsfachfrau, haben ihre Lehrzeit bei der Bodan AG, Kreuzlingen, erfolgreich abgeschlossen.

Jedes Jahr bildet das Unternehmen bis zu zehn junge Leute in den Berufen Polygraf/in, Drucktechnologen/in, Printmedienverarbeiter/in, Kauffrau/Kaufmann, Buchhändler/in, und Detailhandelsfachfrau/fachmann aus, ein respektables Engagement für eine KMU mit rund 45 Mitarbeitenden.

Polygrafin: Selbständig Arbeiten

Für Cinzia Aeberhard und für Selina Wildhaber, zwei aufgestellte junge Frauen, endet nun die Lehrzeit. Sie habe sich auf jeden Fall gelohnt, sagen sie unisono. Die frischgebackene Polygrafin Cinzia Aeberhard aus Berg blickt auf vier Jahre als Lernende zurück. Die bald 21-jährige liebt das selbständige Arbeiten und die Gestaltung von Druckaufträgen, ebenso die Zusammenarbeit im Team der Druckvorstufe.

Spass am Beraten
Viel Teamarbeit leistete auch Selina Wildhaber während ihrer dreijährigen Lehre zur Detailhandelsfachfrau in der Papeterie an der Hauptstrasse 35 in Kreuzlingen. Vor allem das Beraten der Kundinnen und Kunden machte der 18-jährigen Spass, und im letzten Jahr durfte sie drei Unterstiftinnen betreuen. „Ich bereue es gar nicht, diesen Weg gemacht zu haben“, sagt Selina Wildhaber. Sie möchte vorläufig im Detailhandelsbereich bleiben, kann sich später aber auch eine Lehre in einem Sozialberuf vorstellen.

Viel Schnuppern, Zeit lassen
Ein Studium oder die Arbeit im gestalterischen Bereich peilt Cinzia Aeberhard als Möglichkeiten an. Mit Malen und Modellieren ist sie auch in ihrer Freizeit beschäftigt, wenn sie nicht gerade Velo fährt. Selina Wildhaber widmet sich ausserhalb ihrer Berufswelt gerne dem Fotografieren und dem künstlerischen Zeichnen. Für jugendliche Schulabgänger haben beide jungen Frauen einen wichtigen Ratschlag: Viel Schnuppern, sich Zeit lassen und sich nicht zu früh auf den Traumberuf fixieren.

Text und Bild: Martin Sinzig

2009: Berufsberater besuchen die Bodan AG

Kreuzlingen, 18. Mai 2009 – Um sich über die aktuelle Lehrlingsausbildung im Druckereigewerbe ins Bild zu setzen, haben Beraterinnen und Berater der Berufs- und Studienberatung Kreuzlingen die Bodan AG besucht.


Ziel des Besuchs war es, die Information und Dokumentation in der sich ständig wandelnden Berufsbildungswelt à jour zu halten. Die Berufs- und Studienberatung Kreuzlingen geht regelmässig auf Unternehmen zu, die junge Leute ausbilden, um so den Kontakt zur Berufspraxis sicherzustellen.
„Davon können die Berufsberaterinnen und –berater effektiv profitieren“, erklärt Marcel Bielmann, Stellenleiter der Berufs- und Studienberatung Kreuzlingen. Es gelinge so auch, sich vermehrt in die Berufe hineinzudenken. „Die Praxis ist immer anschaulicher als ein Papier“.

Bodan bildet sechs Berufe aus

Die Einblicke in einen Ausbildungsbetrieb erleichtert es den Beratern später, bei ihren Kontakten mit jungen Leuten besser einzuschätzen, für welchen Beruf sie am besten geeignet sein könnten. Mit Interesse verfolgten die Gäste der Bodan AG deshalb die praktischen Einblicke in die Alltagsarbeit von Polygrafen, Drucktechnologen oder Printmedienverarbeitern.

Das 1911 gegründete Familienunternehmen bildet darüberhinaus Kaufleute sowie Buchhändler/-Innen und Detailhandelsfachfrauen/-männer aus. Als modernes Druckunternehmen bewegt sich die Bodan AG in einer interessanten Berufswelt und zeigt sich gegenüber ihren rund 15 jungen Lernenden sehr engagiert und initiativ. 

2008: Ein echter Jünger Gutenbergs

Am 30. Juli 2008 fand bei der Bodan AG das alljährliche und traditionsreiche Gautschen statt. Der Drucktechnologe Andreas Dünner, der seine Abschlussprüfung mit Auszeichnung absolvierte, wurde im Laufe des Nachmittags von seinen Arbeitskollegen gepackt. Eingebunden und verschnürt wurde er zur allgemeinen Belustigung aller Anwesenden zum nahen Brunnen im Dorfzentrum von Kurzrickenbach abtransportiert, wo bereits Angehörige und Freunde warteten.

Auf den Ruf des Gautschmeisters Markus Rüesch «Packt an!» wurde dem alten Brauch folgend der Jünger Gutenbergs gefasst, mit Wasser übergossen und in den Dorfbrunnen gestossen. Symbolisch wurden damit die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abgewaschen und Andreas in die Gilde der Schwarzkünstler aufgenommen.
Zum überaus erfolgreichen Lehrabschluss gratulierte Urban Ruckstuhl im Namen der Geschäftsleitung der Bodan seinem Drucktechnologen und wünschte ihm für seine Zukunft alles Gute.
Anschliessend wurde beim Apéro mit Familie, Mitarbeitenden und Freunden auf die absolvierte Lehrzeit angestossen.

2007: Die Bürotüren stehen immer offen

Thurgauer Zeitung, Dienstag 18. Dezember 2007, Kreuzlingen

Die Geschwister Claudia und Urban Ruckstuhl übernahmen die Bodan AG Druckerei und Verlag ab 1999 schrittweise von ihrem Vater. Sie teilen sich die operativen Führungsaufgaben.
Kreuzlingen – Ein «Bilderbuchpatron» mit allen Vor- und Nachteilen sei ihr Vater Paul Ruckstuhl gewesen, versichert Tochter Claudia, und dazu ein Verleger mit Leib und Seele. «Wenn wir als Kinder den Vater tagsüber sehen wollten, mussten wir in die Druckerei gehen», erklärt Sohn Urban. Um Geschäftliches habe sich häufig auch das Gespräch am Mittagstisch gedreht. Hatte der Vater die Kinder zu Bett gebracht, sei er oft noch einmal ins Geschäft gegangen. Die Geschwister Ruckstuhl vermitteln den Eindruck, in der Kindheit einen trotz grosser Arbeitsbelastung präsenten Vater gehabt zu haben. Aus ihren Worten spricht Bewunderung über das, was Paul Ruckstuhl in rund vierzig Jahren aufgebaut hat. Als sie die Bodan AG Druckerei und Verlag von ihm ab 1999 schrittweise übernahmen, sei das Unternehmen völlig gesund und überlebensfähig gewesen.
Wie wenn er gespürt hätte, dass von ihm die Rede ist, öffnet sich die Tür zum Sitzungszimmer im firmeneigenen Gebäude an der Zelgstrasse in Kreuzlingen: Der Bilderbuchpatron tritt ein, die 11 Monate alte Enkeltochter Sabrina auf den Armen, nun ganz Bilderbuchgrossvater: «Sie ist ja so zufrieden», sagt er freudestrahlend zu Mutter Claudia gewandt.
Neuer Führungsstil
In einem Familienbetrieb sei es eben möglich, das Kind ab und zu mitzunehmen, erklärt Claudia Ruckstuhl. Sie dürfe da auch auf die Mitarbeitenden zählen, die oft liebevoll auf das Kind aufpassten. Claudia Ruckstuhl ist Gemeinderätin in Gottlieben und begann bereits 1992 im väterlichen Betrieb zu arbeiten. Dies war nicht vorgesehen, war sie doch vorher im Hotelgewerbe und im Flugbusiness tätig gewesen. Sie verschweigt nicht, dass es zunächst Generationenkonflikte gegeben habe. Diese seien aber längst beigelegt. Auch für Urban Ruckstuhl war die Rückkehr nach Kreuzlingen ursprünglich keineswegs geplant. Der Betriebswirt und Informatiker war zuletzt beim Verlagshaus Ringier in Zürich als leitender Controller tätig und also die Karriereleiter bereits tüchtig hochgestiegen. Doch die Selbstständigkeit lockte, und so wechselte er 1999 in den Betrieb des Vaters – im Bewusstsein, dass es nun mit den geregelten Arbeitszeiten vorbei sei. Urban Ruckstuhl führt die Bodan AG seither als eigenständiges Druck- und Verlagunternehmen gemeinsam mit seiner Schwester, die inzwischen berufsbegleitend ein managementorientiertes MBA-Studium absolviert hat. Zwar hätten sie beide «ihren eigenen Kopf», aber auch verschiedene Schwerpunkte: Er bei den Finanzen und bei der Kundenbetreuung, sie im Verkauf und beim Realisieren von Projekten. Der Generationenwechsel stand auch im Zeichen eines neuen Führungsstils: «Es geht heute weniger autoritär zu und her als früher», erklärt Urban Ruckstuhl. «Die Bürotüren stehen immer offen», ergänzt die Schwester.
Gewaltige Umstrukturierung
Es komme immer noch vor, dass Leute bei der Bodan AG Druck und Verlag ein Zeitungsabonnement bestellen möchten, wundert sich Urban Ruckstuhl. Dabei sei die eigene Tageszeitung, der «Thurgauer Volksfreund», bereits im Jahr 2000 in die Thurgauer Medien AG in Frauenfeld eingebracht worden. Ende 2004 löste sich die Bodan AG aus dieser Zeitungskooperation und konzentrierte sich neben der Buchhandlung und der Papeterie an der Hauptstrasse ganz auf ihr Kerngeschäft: die Herstellung qualitativ hochwertiger Drucksachen wie zum Beispiel Broschüren, Kataloge und Bücher. Ein Meilenstein in der Geschäftsentwicklung bedeutete 2005 die Übernahme des Buchverlages Werd von Tamedia, dessen Programmschwerpunkte bei Ratgeberliteratur sowie bei kulinarischen und die Freizeit betreffenden Themen liegen. Im angestammten Verlag der Bodan AG erscheinen hingegen Bücher, die sich unmittelbar auf die Region beziehen.
Gegründet wurde die Druckerei Bodan 1911 als eine Genossenschaft. 1965 übernahm die heutige Besitzerfamilie schrittweise die Aktienmehrheit. Gewaltig waren seither die Umstrukturierungen und technischen Neuerungen in der grafischen Branche. Dies veranschaulicht die historische Handpresse im Foyer des Firmengebäudes, die nur mit grosser Muskelkraft betätigt werden konnte.


lRENATA EGLI-GERBER

2005: Zukunft des Werd Verlags gesichert

Zürich, 31. März 2005. Tamedia verkauft die Betriebseinheit Werd Verlag per 31. März 2005 an die Werd Verlag AG. Gründer dieser Gesellschaft sind die Bodan AG Druckerei und Verlag, Kreuzlingen, und die Herren Urban Ruckstuhl und Gregory Zäch. Tamedia verkauft den Verlag im Rahmen der vom Verwaltungsrat beschlossenen Konzentration auf Zeitungen, Zeitschriften, Elektronische Medien sowie Services.

Die Bodan AG wird an der Werd Verlag AG eine Mehrheit halten. Als traditionsreiches, innovatives Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitenden betreibt die Bodan AG eine leistungsfähige Druckerei, einen Buchverlag sowie eine Buchhandlung und eine Papeterie. Inhaberin ist mehrheitlich die Familie Ruckstuhl, in deren Eigentum auch die Aktienmehrheit an der Thurgauer Tagblatt AG, Druck und Verlag, Weinfelden, liegt.

Das Frühjahrsprogramm befindet sich in Vorbereitung und geht an die neuen Eigentümer zur Fertigstellung und Vermarktung gemäss den vertraglichen Vereinbarungen von Tamedia mit ihren Partnern und Autoren über. Dasselbe gilt für die vertraglich bereits fixierten Bücher des Herbstprogrammes.

Die Arbeitsverhältnisse der bisher für den Werd Verlag tätigen Mitarbeitenden gehen auf die Werd Verlag AG über. Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Ergebnisse des derzeit laufenden Konsultationsverfahrens und der Zustimmung der Verwaltungsräte beider Parteien. Die Verlagsbüros der Werd Verlag AG bleiben vorerst in den Räumlichkeiten von Tamedia eingemietet. Für die anderen Mitarbeitenden der Parteien hat der Verkauf keine Folgen.